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„Der Frieden in Nepal wird halten“
Frieden in Nepal: Am 21. November 2006 haben die Regierung und die Rebellen ein Friedensabkommen unterzeichnet. Die Hoffnung ist gross, dass damit das Jahrzehnt blutiger Kämpfe zu Ende ist. Die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit hat hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet, indem sie die Zivilgesellschaft gestärkt hat, die nun ihre Rechte einfordert.

 

Nepal war 1956 das erste Partnerland von Helvetas. Heute sind wir mit einem umfassenden Programm engagiert. Es umfasst unter anderem den Bau von Fussgängerhängebrücken, Unterstützung im Wasserressourcen-Management, Förderung einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung, die Stärkung lokaler Behörden, Berufsbildung, Unterstützung des Kleingewerbes und Friedensförderung.

Programmleiter Ram Risal äusserst sich zur Entwicklung in Nepal.
 

Ram, wie hat die Bevölkerung das Friedensabkommen aufgenommen?

Als historisches Ereignis, das den Weg öffnet für einen langlebigen Frieden, für eine Überwindung des zwölfjährigen blutigen Konflikts.

Ram Risal

Alle Menschen aus allen Gesellschaftsschichten haben mit grossem Enthusiasmus und Optimismus auf das Friedensabkommen reagiert.

Wie wichtig waren die Demonstrationen vom April 2006 für die Erreichung des Friedensabkommens?

Sie haben tatsächlich eine wichtige Rolle gespielt. Hunderttausende von Menschen waren überall im Land spontan auf die Strassen gegangen und hatten Frieden, das Respektieren der Menschenrechte, das Ende der Selbstherrschaft des Königs und einen republikanischen Staat gefordert. Sie erzeugten einen überwältigenden Druck sowohl auf die politischen Parteien als auch auf die Maoisten. Von jetzt an werden die Menschen die Parteien und die Maoisten verantwortlich für den Friedensprozess machen.

Wie hat sich Helvetas während den Demonstrationen verhalten?

Als Teil der Zivilgesellschaft haben wir eine Rolle gespielt. Wir haben aber klar unterschieden zwischen der politischen Diskussion und der Solidarität mit Werten wie Menschenrechte, Demokratie und Frieden. Dabei haben uns die Arbeitsgrundsätze geholfen, die wir während all den Jahren insbesondere auf lokaler Ebene aufrecht erhalten haben: Eine unparteiische Entwicklungsarbeit, politische Neutralität und der Einbezug von Friedensarbeit. Diese Position hat uns ermöglicht, uns solidarisch zu zeigen, ohne mit einer politische Positionierungen Risiken einzugehen.

Hat Helvetas in den letzten Jahren zur Konfliktlösung beigetragen?

Ja, und zwar auf drei Ebenen: lokal, national und international. Auf lokaler Ebene haben wir erreicht, dass sich die Menschen in den Dörfern gemeinsam für ein Ziel einsetzen. Dass sie sich vertrauen und respektieren, dass sie einander zuhören und Entscheide gemeinsam treffen, und dass sie Konflikte lösen. Das war möglich, weil unsere Arbeit akzeptiert war, weil wir sehr transparent vorgingen, auf Konflikte achteten und greifbare Erfolge vorweisen konnten.
Unsere konkreten Erfahrungen waren wichtig für die gemeinsame Strategie der Hilfswerke und Entwicklungsagenturen auf nationaler Ebene. Unsere Haltung bezüglich Menschenrechte, Demokratie und Frieden haben wir gemeinsam mit anderen Schweizer und europäischen Nichtregierungsorganisationen in den internationalen Politikdialog einfliessen lassen.

Wird der Frieden halten? Was erwartest du für eine weitere Entwicklung?

Es gibt keine andere Wahl; er wird halten. Der überwältigende Wunsch der Menschen nach Frieden und die Sehnsucht nach einem neuen Nepal können nicht untergraben werden. Sollte von diesem Weg abgewichen werden, dann bin ich sicher, dass die Menschen das nicht zulassen werden. Sie sind bereit, starken Druck auf die Parteien und Maoisten auszuüben, damit sie sich an die Versprechen halten.
Wir sind optimistisch, die Entwicklung ist bis jetzt in die richtige Richtung gegangen. Aber natürlich ist die Zukunft voller Herausforderungen. Der Prozess könnte nicht so reibungslos wie erwartet ablaufen und mehr Zeit beanspruchen. Das Risiko besteht, dass die Menschen die Geduld verlieren und sich ihre Frustrationen negativ auswirken. Man kann nicht zu stark betonen, wie wichtig es ist, für Bedingungen zu sorgen, die Vertrauen schaffen.

Was bedeutet der Frieden für die Arbeit von Helvetas?

Mehr Möglichkeiten, aber auch grössere Erwartungen, mit unserer Arbeit konkrete Verbesserungen zu erreichen. Wir müssen weiterhin Acht geben, nicht von einer politischen Richtung für ihre Zwecke eingespannt zu werden. Es braucht weiterhin unser Engagement für Minderheiten, damit sie miteinbezogen werden und mitbestimmen können.

Was empfindest du persönlich als Nepali in diesem historischen Moment?

Ich bin stolz, Nepali zu sein, und dass die Nepali selbst den blutigen Konflikt in einen Frieden verwandeln konnten. Entscheidend war, dass die Stimme des Volkes respektiert wurde und im übergeordneten Interesse auf Abrechnungen verzichtet wurde. Die internationale Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen und einzelne Regierungen wie derjenigen der Schweiz waren entscheidend und werden es weiterhin sein.

(Das Gespräch fand am 30. November 2006 statt)

Helvetas in Nepal

 
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