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Wasser für Nahrung

Durstige Landwirtschaft

Die Landwirtschaft verbraucht mit Abstand am meisten Wasser; in den Ländern des Südens fliessen bis zu 80 Prozent des genutzten Süsswassers in die Bewässerungslandwirtschaft. Dies hat klimatische und sozio-ökonomische Gründe. Die meisten Entwicklungsländer liegen in niederschlagsarmen Klimazonen, wo Regenfeldbau nur begrenzt möglich ist. Ausserdem handelt es sich bei der Mehrzahl der Entwicklungsländer um Gesellschaften, in denen die Landwirtschaft der bedeutendste Wirtschaftszweig bildet und die überdies eine rasch wachsende Bevölkerung aufweisen.

 

Zu den Hauptursachen des hohen Wasserverschleisses in der Landwirtschaft gehört mithin die Tatsache, dass vielerorts mit unangepassten und uneffizienten Bewässerungstechniken gearbeitet wird. Viel Wasser – Schätzungen sprechen von bis zu 60 Prozent – verdunstet oder versickert ungenutzt, ehe es die Pflanze erreicht.

Schliesslich hat auch die Biologie ihren Anteil am Wasserverbrauch in der Landwirtschaft. Pflanzen nehmen aus der Luft Kohlendioxid auf. Dieses wird von der Pflanze durch die Photosynthese in pflanzliche Stoffe umgewandelt, wobei Sauerstoff freigesetzt wird. Wenn die Pflanze ihre „Fenster“ öffnet, strömt jedoch nicht nur Kohlendioxid ins Pflanzeninnere, sondern es entweicht umgegekehrt auch Wasser in der Form von Wasserdampf in die Atmosphäre. Wieviel Wasser eine Pflanze verbraucht, hängt mit dem Klima zusammen. Pflanzen in einer trockenen Gegend mit kleiner Luftfeuchtigkeit geben mehr Wasser ab, als Pflanzen in einer Gegend mit hoher Luftfeuchtigkeit.


 

Die Schattenseiten der „grünen Revolution“

Mit Abstand am meisten zum dramatischen Anstieg des Wasserverbrauches in der Landwirtschaft beigetragen hat die „Grüne Revolution“ der 1960er Jahre. Die Einführung ertragreicher (aber wasserintensiver) Sorten, die Ausbreitung moderner Technologien (wie Motor- und Dieselpumpen) und von Monokulturen (wie der Baumwolle) führten zu einer massiven Steigerung des Wasserverbrauchs. Dies vielfach in Gebieten, in denen die Wasserressourcen ohnehin beschränkt und deren Regenerationszeiten lang sind.

Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft des Südens wurden weniger unmittelbar produktive, aber ökologisch angepasstere traditionelle Wassernutzungstechniken verdrängt. Die scheinbare Überlegenheit moderner technologischer „Lösungen“ hatte einen kurzsichtigen und rücksichtslosen Umgang mit den Wasserressourcen zur Folge, dessen Effekte vielerorts heute spürbar sind.

Grundwasservorräte wurden bedenkenlos leergepumpt, Flüsse umgeleitet und gigantische Staudämme errichtet. Die Grossflächige Überflutung von Feldern in heissen Klimazonen mit hohen Verdunstungsraten führte zur Ablagerung von Mineralstoffen und zur Versalzung der Böden.

Die Schäden der „Grünen Revolution“ lassen sich nur schwer rückgängig machen. Sie werden noch über Jahrzehnte hinaus die Landwirtschaft beeinträchtigen und das Leben an Orten erschweren, die noch vor nicht allzu langer Zeit äusserst fruchtbar waren.

 

Die gefährliche „Mitgift“ des Wassers

Die Landwirtschaft – insbesondere die Grosslandwirtschaft – beeinträchtig den Wasserhaushalt der Erde jedoch nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht.

Als besonders gravierendes Problem der industriellen Landwirtschaft hat sich die Verunreinigung der Wasserressourcen durch Giftstoffe erwiesen, denn die Bewirtschaftung riesiger Monokulturen mittels modernster Hochtechnologien geht einher mit dem Gebrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden.

Das für Bewässerungszwecke benutzte Wasser nimmt Schadstoffe aus den Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln auf, die auf den Feldern ausgebracht worden sind. Wenn das Wasser im Boden versickert, gelangen diese chemischen Substanzen in den Wasserkreislauf und damit auch ins Grund- und Trinkwasser.

 

Angepasste und effizientere Methoden sind gefragt

Trotz aller kritischer Fragen, welche die Bewässerungslandwirtschaft aufwirft, ist der Verzicht auf Bewässerung keine Alternative.

Wegen des noch über Jahrzehnte anhaltenden Bevölkerungswachstums und den Folgen des Klimawandels – zumal in den südlichen Weltgegenden – wird die Menschheit auch weiterhin auf die Bewässerungslandwirtschaft angewiesen sein. Die Bewässerungsfläche wird aller Voraussicht nach sogar noch ausgedehnt werden müssen, um die Bedürfnisse einer zunehmenden Anzahl Erdenbewohner zu befriedigen.

Es gilt daher, das beträchtliche Potenzial zur Effizienzsteigerung in der Bewässerungslandwirtschaft auszuschöpfen und verschwenderischen und ökologisch fragwürdigen Methoden einen Riegel zu schieben. Gefragt sind innovative Bewässerungstechniken (wie z.B. die Tropfenbewässerung) ebenso wie eine Besinnung auf Anbauweisen und Pflanzenarten, die dem jeweiligen Ökosystem angepasst sind.


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