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Stellungnahme über die Arbeitsbedingungen der Dialoger unseres Dienstleisters Corris AG

Stellungnahme zum Beitrag in der Sendung Kassensturz vom 12. Februar 2013 über die Arbeitsbedingungen der Dialoger unseres Dienstleisters Corris AG
12.03.2013
Helvetas arbeitet seit 2008 mit der Firma Corris zusammen. In dieser Zeit konnten wir über 25'000 neue Spenderinnen und Mitglieder für unser Engagement gewinnen, die jährlich über vier Millionen Franken spenden. Wir arbeiten mit einem externen Dienstleister zusammen, weil der Aufbau und die Koordination eines Dialogerteams durch einen spezialisierten Partner erheblich effizienter geleistet werden kann und Infrastrukturkosten mit anderen Hilfswerken geteilt werden können.

Die Dialoger, die für Helvetas unterwegs sind, leisten hervorragende Arbeit und sind mit viel Herzblut dabei. Wir betreuen die Helvetas-Dialoger intensiv. Wir besuchen sie wöchentlich an ihren Standplätzen und schulen sie regelmässig bei uns im Haus. In all den Jahren haben sich die Dialogerinnen und Dialoger nie negativ über ihre Arbeitsbedingungen geäussert oder gar beschwert. Hingegen ist der Erfolgsdruck, der auf den Mitarbeitenden lastet, ein Dauerthema. Wir sind uns bewusst, dass die Spendensammler eine schwierige Aufgabe haben. Es ist kein leichter Job, bei jedem Wetter auf der Strasse zu stehen und Menschen anzusprechen, von denen viele am liebsten einen grossen Bogen um sie machen. Eine faire Entlöhnung für die Mitarbeiter von Corris und ein motivierendes Arbeitsklima sind deshalb aus unserer Sicht selbstverständlich.

Wir sind auf der Basis der bisherigen Arbeitsverträge, die uns vorliegen, davon ausgegangen, dass ein Dialoger pro Monat, inklusive Erfolgsbonus, zwischen 4000 und 4500 Franken verdient. Wir betrachten das für einen Maturanden oder eine Stundentin als angemessen. Schliesslich wurden wir in der Vergangenheit auch schon mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die Dialoger zu viel verdienten oder dass sie die Arbeit gar als Freiwilligenarbeit leisten sollten.

Als Entwicklungsorganisation setzt sich Helvetas weltweit für faire Arbeitsbedingungen ein. Wir betreiben beispielsweise einen FairTrade Shop mit Produkten, die Menschen aus Entwicklungsländern ein sicheres Einkommen verschaffen. Deshalb ist es selbstverständlich, dass wir auch in der Schweiz von unseren Dienstleistern erwarten, dass sie faire Löhne bezahlen und anständige Arbeitsbedingungen bieten.

Die vom Kassensturz erhobenen Vorwürfe basieren auf einem neuen Arbeitsvertrag, von welchem wir durch die Recherche des Kassensturz erfahren haben. Wir begrüssen es, wenn auf Missstände aufmerksam gemacht wird, und nehmen diese Anschuldigen gegenüber der Firma Corris sehr ernst. Deshalb haben wir, zusammen mit den anderen Hilfswerken, unverzüglich den Geschäftsleiter der Corris AG, Baldwin Bakker, zu einer Aussprache eingeladen. Wir haben die Vorwürfe der in der Sendung zu Wort gekommenen Gruppe ehemaliger Corris-Mitarbeiter mit aller Sorgfalt und im Einzelnen geprüft.

In Absprache mit weiteren Hilfswerken, die mit Corris zusammenarbeiten, hat Helvetas einen gemeinsamen Forderungskatalog erstellt. Einerseits geht es um arbeitsrechtliche Fragen, andererseits aber auch um die Arbeits- und Firmenkultur von Corris, wo wir Verbesserungen erwarten.

Unsere Hauptforderungen:
  1. Wir verlangen, dass die befristeten Rahmenverträge nach 3 Monaten in unbefristete Arbeitsverträge umgewandelt werden und uns bestätigt wird, dass Corris der Pflicht zur Auszahlung von Krankentaggeldern nachkommt.
  2. In Zukunft darf nur noch in Ausnahmefällen Überzeit geleistet werden. Sollte trotzdem einmal Überzeit nötig sein, muss die effektiv geleistete Arbeitszeit entschädigt werden.
  3. Wir fordern Änderungen beim leistungsunabhängigen Mindestlohn pro Monat, die dafür sorgen, dass der Druck auf die Mitarbeitenden kleiner wird.
  4. Wir fordern Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitskultur und die Einrichtung einer unabhängigen Ombudsstelle, an die sich Mitarbeitende der Corris AG richten können.

Am 28. Februar hat uns die Corris AG Vorschläge präsentiert, wie das Arbeitsverhältnis zwischen Corris und den Dialogern präziser geregelt und die Arbeitskultur verbessert werden sollen. Unter dem Titel Agenda 2013 wurde ein umfangreicher Katalog von konkreten Massnahmen erarbeitet, der die Forderungen von Helvetas und der anderen Hilfswerke weitgehend erfüllt. Nachfolgend die wichtigsten Massnahmen zusammengefasst:
  1. Die kritisierten Rahmenverträge werden bis Ende März durch eine unabhängige Stelle überprüft und wenn nötig bis Ende Mai angepasst. Es geht dabei insbesondere um die Handhabung der Vertragsverlängerung nach drei Monaten. Die Krankentaggelder wurden immer schon entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen ab dem 91. Tag bezahlt, unabhängig der Vertragsart und der Anzahl geleisteter Arbeitstage.
  2. Die Arbeitszeiterfassung wird verbessert. Reisezeit wird als Arbeitszeit erfasst. Allfällige Überzeit wird kompensiert oder ausbezahlt. Bis Ende Mai wird das Arbeitszeitreglementkomplett überarbeitet.
  3. Der Tageslohn wird von CHF 135 auf CHF 165 erhöht. Dies entspricht einem Monatssalär von CHF 3'630 Franken inklusive Ferienentschädigung. Im Gegenzug wird auf die Auszahlung eines Treuebonus künftig verzichtet. Damit sind alle Dialoger gleich gestellt, unabhängig der geleisteten Einsatztage. Wie bisher wird ein erfolgsabhängiger Bonus ausbezahlt, der erfahrungsgemäss bei durchschnittlich rund 500 Franken pro Monat liegt.
  4. Für die Mitarbeitenden der Corris AG wird bis Ende Juni eine unabhängige externe Ombudsstelle eingerichtet. Darüber hinaus werden eine Reihe von Massnahmen zu Verbesserung der Führungskultur und der internen Kommunikation umgesetzt.

Eine Arbeitsgruppe von Vertretern der Hilfswerke wird die Umsetzung der Massnahmen kontinuierlich prüfen und wo nötig weitere Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbelastung der Dialogerinnen und Dialoger einfordern.