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Tsunami – Rückschau nach 10 Jahren

Helvetas hatte in Sri Lanka gerade erst ihre Entwicklungsprojekte abgeschlossen und wollte sich aus dem Land zurückziehen, als sich im Dezember 2004 das Jahrhundert-Seebeben ereignete. Der dadurch ausgelöste Tsunami hat in Sri Lanka grosse Schäden angerichtet und nach Schätzungen über 35000 Menschen das Leben gekostet. Helvetas hat mit ihrer langjährigen Entwicklungsarbeit an der Ostküste ein eingespieltes Netzwerk von lokalen Behörden und Organisationen aufgebaut, was für die geleistete Soforthilfe und die anschliessende Wiederaufbauarbeit von grossem Nutzen war.
Christian Oswald, der damals als Programmkoordinator Sri Lanka für die Tsunami-Projekte verantwortlich war, ist im Winter 2014 aus einer Evaluationsreise zurückgekehrt, wo er die wieder aufgebauten Häuser und öffentlichen Bauten, die Wasserversorgungen und die Einkommenssicherungsprojekte von Helvetas besucht hat. Der grösste Teil der von der Glückskette zur Verfügung gestellten Mittel wurden in den Hausbau investiert. Hier zieht Oswald ein positives Fazit und erklärt: „Ein neues Haus zu bauen hätte die Ressourcen und Mittel der Familien stark belastet, sodass an eine Erwerbstätigkeit oder Bildung gar nicht zu denken gewesen wäre. So konnten sich die Menschen auf den Neustart konzentrieren.“
 
Umsiedlung nach Thiramaidu
Die Regierung Sri Lankas hat direkt nach der Katastrophe eine Pufferzone in Küstennähe verfügt. Dort durfte wegen des erneuten Tsunami-Risikos niemand mehr bauen, weshalb Zehntausende Menschen umgesiedelt werden mussten. Helvetas hat im Distrikt Batticaloa zwei Dörfer (teilweise) an neuer Stelle aufgebaut und dabei bewusst beide im Bürgerkrieg stehenden Ethnien berücksichtigt.

Das eine ist Thiramaidu, wohin eine singhalesische Gemeinschaft umgesiedelt wurde. Dabei handelte es sich grösstenteils um Handwerker, die ihr Gewerbe auch am neuen Ort wieder aufnehmen konnten. Helvetas hat in Thiramaidu 100 Häuser errichtet und andere Organisationen beim Aufbau von weiteren hundert Häusern unterstützt.

Christian Oswald freut sich darüber, dass die Häuser noch immer in gutem Zustand und sehr wohnlich sind; viele davon wurden sogar ausgebaut. Von den ursprünglich 180 Familien ist Thiramaidu zu einer kleinen Stadt herangewachsen, in der heute fast 6000 Menschen leben. Es gibt Schulen, Spitäler und viele lebendige Wohnquartiere. Auch der Kindergarten und das Gemeinschaftszentrum, die Helvetas im Rahmen des Wiederaufbaus errichtet hat, sind integrierte Bestandteile der Stadt.

„Ich bin beeindruckt, wie dynamisch sich Thiramaidu seit meinem letzten Besuch entwickelt hat – der Start vor fast zehn Jahren war harzig: Helvetas musste die Zufahrtsstrasse selbst errichten, die eigentlich von der Regierung hätte bereitgestellt werden sollen, damit die Aufbauarbeiten zügig beginnen konnten.“
2008 wurde das Projekt von Helvetas abgeschlossen.

Wiederaufbau in Panichchankerni
Das tamilische Dorf Panichchankerni wurde durch den Tsunami komplett zerstört. 88 Häuser konnten am gleichen Ort wieder errichtet werden. Diese sind nach wie vor gut erhalten. In weniger gutem Zustand seien die Häuser von 42 Familien, die von ausserhalb nach Panichchankerni umgesiedelt werden mussten. „Den Menschen fehlen hier teilweise die Mittel für Renovationsarbeiten“, weiss Christian Oswald. „Ausserdem hat der Bürgerkrieg seine Spuren hinterlassen. Kurz nachdem sie in ihre neuen Häuser eingezogen waren, wurden sie wieder vertrieben.”

Die Tamil Tigers hatten sich 2006 in den Häusern verschanzt, die in der Folge durch Kriegshandlungen beschädigt wurden. Als die Frontlinien sich wieder verschoben, konnten die Menschen zurückkehren. Gemeinsam wurde entschieden, die Häuser wieder in Stand zu stellen. Die Situation war aber bis zum Kriegsende 2009 unsicher.
 
Anschluss ans Wassernetz in Kallar und Batti
Die Brunnen der beiden Dörfer Kallar und Batti waren nach dem Tsunami versalzen und verdreckt. Die Häuser waren nicht ans Wassernetz angeschlossen, dieses endete am Rande des Dorfes. „Der Anschluss an die Wasserversorgung ist ein sehr gutes Beispiel für die Kooperation und Koordination mit anderen Hilfsorganisationen“, sagt Christian Oswald. Eine japanische Organisation hat die Brücke zur Insel, auf der sich die Dörfer befinden, wieder aufgebaut. Auf dieser Brücke hat Helvetas die neue Wasserleitung verlegt. Eine dänische Organisation hat einen Wasserturm gebaut, der ebenfalls ans Netz angeschlossen wurde. Das ganze Projekt stand unter der Leitung der lokalen Behörden.

Bis auf ein paar wenige Häuser profitieren heute alle von der neuen Infrastruktur, die nach wie vor internationalen Standards genügt, wie sich Christian Oswald vergewissern konnte. Es gibt heute sogar eine Hotline, bei der Störungen gemeldet werden können.

Direkte Unterstützung zur Einkommenssicherung in Ampara
Etwa 5500 Männer und Frauen konnten dank einem Projekt im Distrikt Ampara ihre Erwerbstätigkeit nach dem Tsunami wieder aufnehmen. Wer seine Erwerbsgrundlage wegen des Tsunami verloren hatte, erhielt von Helvetas direkte finanzielle Hilfe. Damit konnten sich die Menschen beispielswiese wieder einen Webstuhl beschaffen, einen neuen Quartierladen oder Coiffeursalon einrichten oder wieder als Hühnerzüchter oder Kerzenmacher tätig sein.

Nicht alle damals unterstützten Personen seien noch auffindbar. „Sie heiraten, wechseln ihre Arbeit oder ziehen weg“, erklärt Oswald. Wenn jemand in seiner ursprünglichen Tätigkeit gut gewirtschaftet hatte, konnte er den Gewinn in ein neues, lukrativeres Geschäft investieren. „Natürlich hängt es von der Geschäftstüchtigkeit des Einzelnen ab, ob er oder sie aus einer Kuh vier gemacht hat oder ob es bei einer geblieben ist.“