Ohne Wasser kein Leben

Trinken. Waschen. Bewässern. Das verfügbare Wasser ist knapp. Klimaerwärmung, Bevölkerungszuwachs, der Ausbau der industriellen Landwirtschaft und der steigende Konsum von Fleisch und Agrotreibstoffen verschärfen die Wassernot. Die Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser bleibt eine Herausforderung.
Den sieben Milliarden Menschen der Welt stehen jährlich 10'000-12'000 km3 nutzbares Süsswasser zur Verfügung, ein 250 – 300 Meter tiefer See von der Grösse der Schweiz. Für jeden Menschen der Welt ergibt das im Durchschnitt 1400 bis 1700 m3 Wasser pro Jahr. Das würde knapp reichen, wenn die Vorräte gleichmässig verteilt wären. Doch das sind sie nicht. In weiten Teilen der Erde herrscht Wassermangel. Am stärksten davon betroffen sind Teile Afrikas und der Nahe Osten, wo nicht genug Wasser zur Verfügung steht, um den Bedarf für alle Menschen zu decken.

Mit dem Klimawandel wird die Wassernot grösser. Niederschläge gehen zurück, bleiben ganz aus oder sie sind so heftig, dass weite Landstriche überschwemmt werden. Gletscher, die als Sommerpuffer dienen können, schmelzen ab. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen immer mehr Wasser verbrauchen, weil der Wunsch nach wasserintensiven Agrar- und Industrieprodukten steigt. In einem Bericht von McKinsey wird geschätzt, dass sich der aktuelle weltweite Wasserbedarf (aktuell ca. 4500 Milliarden m3) bis ins Jahr 2030 auf 6900 Milliarden m3 erhöhen wird, eine Zunahme von 50 Prozent. 

Wenn die globalen Temperaturen, die Zahl der Menschen und die Komfortansprüche weiter steigen wie bisher, werden im Jahr 2025 zwei Drittel aller Menschen unter Wasserstress leiden, und ein Achtel der Weltbevölkerung wird in Regionen leben, wo nur gerade die Hälfte des Wasserbedarfs gedeckt ist. Die Leidtragenden werden die Ärmsten unter den Armen sein. Vor diesem Hintergrund hat die UNO im Jahr 2010 Wasser zum Menschenrecht erklärt. Damit dieses auch für die Ärmsten Realität wird, braucht es für die Zukunft noch grössere Anstrengungen der Weltgemeinschaft.
  • In den Gütern des täglichen Bedarfs ist viel Wasser versteckt. In Viehfutter und Obst genauso wie in Baumwolle und Kaffee. Aber auch Wasser für die Produktion von Autos, Computern oder Zeitungspapier. Dieses so genannte virtuelle Wasser bestimmt den Wasser-Fussabdruck einer Person oder eines Landes.
    In Schweizer Haushalten braucht jede Person für Kochen, Waschen, Toilettenspülung usw. durchschnittlich 160 Liter Wasser pro Tag. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil des gesamten Wasserverbrauchs, denn in beinahe allen Gütern des täglichen Bedarfs ist Wasser versteckt. 16'000 Liter sind es in einem Kilo Rindfleisch, 200'000 bis 400'000 Liter fallen an bei der Produktion von Stahl, Textilien, Gummi und bei der Reinigung eines Mittelklasswagens. Wenn das so genannte virtuelle Wasser mitgerechnet wird, liegt der Verbrauch in der Schweiz bei 4200 Liter pro Person. Davon stammen nur gerade 18 Prozent aus der Schweiz selber. Der Rest wird – versteckt in Konsum- und Investitionsgütern – importiert. Pro Person sind das etwas mehr als 1200 m3 pro Jahr, für die gesamte Schweiz etwa 9,5 Milliarden m3 oder fast drei Mal der Inhalt des Zugersees.
    Dass wir virtuelles Wasser importieren, ist nicht in jedem Fall ein Problem. Kaffee und Tee zum Beispiel stammen in der Regel aus Plantagen, die nur in Ausnahmefällen künstlich bewässert werden, und die Abwässer einer gut geführten Autofabrik werden meistens gereinigt an die Umwelt abgegeben. Der Import von Gütern aus Entwicklungsländern – vorzugsweise im Rahmen des Fairen Handels – verhilft zu Arbeitsplätzen und Entwicklung. Anders ist es bei Gemüse und Fleisch aus hochtechnisierten Bewässerungsbetrieben, beim Abbau von Rohstoffen oder bei unökologischen Industriebetrieben. Kleine Subsistenzbauern verlieren ihre Wasserquellen an Grossbetriebe. Erzminen vergiften die Flüsse der Umgebung, und im Preiskampf sparen viele Industriebetriebe zuallererst beim Umweltschutz und lassen ihre Abwässer ungeklärt abfliessen. Mit dem Import von fragwürdigen Gütern tragen wir dazu bei, den Wasserkreislauf in den Herkunftsländern zu belasten.
    Helvetas hat 2013 mit den neusten wissenschaftlichen Daten einen Wasserrechner erstellt, damit Sie aufgrund Ihres persönlichen Konsumverhaltens Ihren individuellen Wasserfussabdruck berechnen können. Den Helvetas Wasserkonsum-Rechner finden Sie in der Box "Wasserfussabdruck" auf der rechten Seite.
  • Menschen sterben an verschmutztem Wasser. Vergiftetes Wasser schädigt die Umwelt. Hungersnöte und Überschwemmungen, aber auch gewalttätige Wasserkonflikte machen Entwicklungsfortschritte zunichte. Deshalb hat die UNO im Jahr 2010 das Menschenrecht auf Wasser festgeschrieben.
    Krankheiten wegen verschmutztem Wasser halten Menschen von der Arbeit und der Schule ab. Frauen und Mädchen wenden jährlich 40 Milliarden Stunden dafür auf, aus oft weit entfernten Quellen Wasser für ihre Familie heranzuschaffen. Vergiftetes Wasser tötet das Leben in den Flüssen und macht weite Landstriche unbewohnbar. Es ist offensichtlich, dass die individuelle und die gesellschaftliche Entwicklung genug und „gesundes“ Wasser braucht. „Der Umgang mit dem Wasser ist entscheidend, wenn die Welt auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad kommen soll.“ Mit diesen Worten umschrieb UNO Generalsekretär Ban Ki-moon den Zusammenhang zwischen Wasser und Entwicklung. Folgerichtig, wenn auch erst auf Druck zahlreicher Entwicklungsländer und vieler NGO, hat die UNO-Generalversammlung deshalb am 28. Juli 2010 das Menschenrecht auf Wasser ausgerufen.
    Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit, dieses Menschenrecht auch für die Ärmsten unter den Armen zu gewährleisten Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, dass die Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhalten und die vorhandenen Wasserressourcen vor Übernutzung und Verschmutzung geschützt werden. Dazu braucht es Engagement auf mehreren Ebenen: bei konkreten Wasser- und Sanitärprojekten, in der landwirtschaftlichen Bewässerung, bei der Schulung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure im Hinblick auf eine gerechte Verteilung und nachhaltige Nutzung sowie auf den Unterhalt der entsprechenden Infrastrukturen. Ausserdem braucht es die Entschlossenheit der Staatengemeinschaft, dem Recht auf Wasser auf allen Ebenen Priorität einzuräumen. In der Formulierung und Umsetzung der UNO-Millenniumsziele haben die Staaten diese Aufgabe ernst genommen und im Bereich des Trinkwassers erfreuliche Erfolge erzielt.

  • Helvetas stellt das Menschenrecht auf Wasser ins Zentrum ihrer Projektarbeit. Sie unterstützt die Ärmsten in ihrem Bemühen um gesundes Trinkwasser, um funktionierende Sanitäreinrichtungen und Hygiene sowie um die effiziente, sparsame Bewässerung ihrer Felder. Rund um die Wasserversorgung trägt Helvetas dazu bei, die Zivilgesellschaft und die Arbeit der Behörden zu stärken. Von der Bevölkerung bestimmte lokale Wasserkomitees ebenso wie gut ausgebildete Behördenvertreter tragen dazu bei, dass Wasser auch nach Projektabschluss weiter fliesst und allen zugute kommt.

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