Gerechte Verteilung der Lebensressource

Mit dem Klimawandel nehmen die Wassernot und damit die Verteilkämpfe um Wasservorräte zu. Funktionierende zivilgesellschaftliche und staatliche Strukturen tragen dazu bei, Wasserprojekte langfristig zu sichern und Wasserkonflikte zu verhindern - lokal ebenso wie international.
Das Versagen der nationalen und internationalen Politik verschärft die naturbedingten Wasserkrisen. Macht und/ oder Geld beeinflussen die Verteilung des Wassers. Doch gerade bei einer lebensnotwendigen Ressource wie dem Wasser wäre gute Regierungsführung nötig, um das kostbare Gut gerecht zu verteilen und Entwicklung zu ermöglichen. Dessen ist sich mittlerweile auch die internationale Staatengemeinschaft bewusst geworden. „Wenn wir heute scheitern, Wasser zu einem Instrument des Friedens zu machen, könnte es morgen zu einer Hauptquelle von Konflikten werden“, prophezeite Irina Bokowa, Generaldirektorin der UNESCO bei der Präsentation des vierten Welt-Wasser-Entwicklungsberichts der UNO.

Internationale Politik braucht es zum Beispiel beim Fluss Mekong, der durch sieben Länder fliesst, bevor er im Süden Vietnams ins Meer mündet. Damit die vielen Millionen Menschen im seinem Einzugsgebiet alle von und mit dem Mekong leben können, braucht es internationale Verhandlungen und Verträge. Der Mekong ist nicht der einzige internationale Fluss mit Konfliktpotential. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP hat 263 Flüsse identifiziert, die – oft mehrere – Landesgrenzen überqueren.
Auch bei Verteilung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit ist die internationale Politik gefordert. Es geht darum, mehr Mittel für den Wassersektor – den Schlüsselsektor für Entwicklung und Armutsbekämpfung – zur Verfügung zu stellen. Damit das im Jahr 2010 von der UNO-Generalversammlung proklamierte Menschenrecht auf Wasser für alle Menschen Realität wird.

National muss die Wasserpolitik die Interessen von Bauern und Fischern, aber auch von Elektrizitätsunternehmen, industriellen Betrieben und der Schifffahrt sorgfältig und politisch gegeneinander abwägen, wenn es nicht zu inneren Konflikten kommen soll.

Regional und lokal ist die Politik gefordert, damit weder privilegierte Gruppen noch Stammes- oder Religionskonflikte die gerechte Nutzung existierender Wassersysteme verhindern.
  • „Water Governance“ lautet das Stichwort der internationalen Diskussionen um den richtigen Umgang mit der Ressource Wasser. Alle Seiten sind sich einig darin, dass das zur Verfügung stehende Wasser nicht nur effizient genutzt werden soll, sondern auch gerecht verteilt werden muss.
    Das wichtigste Postulat – neben der Forderung nach Zugang zu ausreichend sauberem Wasser für alle – ist die Anerkennung des Wassers als soziales und kulturelles Gut, das einer demokratischen Kontrolle unterliegen muss. Allzu oft haben Hilfsorganisationen in der Vergangenheit feststellen müssen, dass die von ihnen gebaute Brunnen nicht der Allgemeinheit zugute kamen, sondern die Macht oder den Reichtum einer privilegierten lokalen Gruppe oder eines Dorffürsten vermehrten. Damit das nicht geschieht, müssen Trinkwassersysteme und sanitäre Einrichtungen in der lokalen oder regionalen Gemeinschaft verankert werden, bei der Planung ebenso wie beim Bau und bei der Verwaltung. Zivilgesellschaftliche, demokratisch aufgebaute Organisationen wie Wassernutzungskomitees sorgen dafür, dass möglichst viele Menschen sich für ihre Anlage verantwortlich fühlen. Doch auch staatliche Behörden sind gefordert. Bei Dezentralisierungsprozessen in zahlreichen Staaten haben lokale Behörden im Wasserbereich neue Aufgaben erhalten. Für eine gute, gerechte Wasserpolitik ist es entscheidend, dass die Behördevertreterinnen und -vertreter darauf vorbereitet werden.
    Versuche, die Wasserversorgung in Entwicklungsländern ganz der Privatwirtschaft zu übertragen, sind gescheitert. Entweder – so wie im berühmten Wasserkonflikt im bolivianischen Cochabamba – am Widerstand der Bevölkerung, oder aber an der Tatsache, dass die beauftragten Privatunternehmen es versäumten, den Unterhalt der übernommenen Anlagen zu gewährleisten. So ist eine von der Weltbank erzwungene Privatisierung der Wasserversorgung von Dar-es-Salaam im Jahr 2005 wegen Misswirtschaft wieder rückgängig gemacht worden.

  • Auf lokaler Ebene stärkt Helvetas die Zivilgesellschaft und Behörden im Hinblick auf eine gerechte Wasserversorgung. Von Regierungsstellen und internationalen Organisationen fordert Helvetas die weltweite Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser und Zurückhaltung bei Privatisierungen.
    Wasser ist ein soziales und kulturelles Gut, das der öffentlichen Kontrolle unterliegen muss. Es darf nicht zur blossen Handelsware degradiert werden." Mit diesen Worten unterstreicht die Helvetas Wasserbroschüre die Wichtigkeit des Lebenselixiers Wasser. Helvetas unterstreicht das nicht nur mit zahlreichen Projekten für Trinkwasser und Sanitärversorgung und mit Aufklärung über die Wasserproblematik hier in der Schweiz, sondern auch mit politischem Engagement auf nationaler und internationaler Ebene.
    International engagiert sich Helvetas als Vorstandsmitglied des internationalen NGO-Netzwerks "End Water Poverty", das sich zum Ziel gesetzt hat, die Wasserfrage ganz oben auf die politische Agenda zu bringen. Mit Kampagnen- und Lobbyarbeit fordert die Koalition mehr Entwicklungsgelder für Wasserprojekte und eine kohärente Wasserpolitik auf internationaler Ebene und in den Entwicklungsländern. Helvetas beteiligt sich dazu an internationalen Konferenzen, wie zum Beispiel dem Weltwasserforum.
    In der Schweiz konfrontiert Helvetas den Bundesrat und die zuständigen Bundesämter mit den international abgestimmten NGO-Forderungen. Beispielsweise wenn es darum geht, dass der Wassernot auch in der Klimadebatte vgl. Petition zur Klimakonferenz 2011 und bei den Verhandlungen für eine nachhaltige Entwicklung Rechnung getragen wird. Helvetas nimmt auch Stellung, wenn es darum geht, internationale Wasserkonflikte zu vermeiden. Im Fall des Mekong zum Beispiel hat Helvetas dazu beigetragen, dass ein umstrittenes Staudammprojekt in Laos zurückgestellt wurde und möglicherweise ganz aufgegeben wird.
    In ihren Entwicklungsprojekten konzentriert sich Helvetas nicht einfach auf den Bau der technischen Anlagen, sondern legt ebensoviel Wert auf die Entwicklung von zivilgesellschaftlichen Strukturen und die Ausbildung der Behörden. Dabei stützt sich Helvetas auf Erfahrungen aus der Schweiz, wo Bau und Unterhalt von Wasserversorgungen traditionell eine Angelegenheit von Korporationen, Kooperativen und lokalen Behörden ist. Helvetas hilft, regionale Wassernutzungspläne zu erarbeiten, bei denen die Bedürfnisse und Interessen der verschiedenen Nutzergruppen demokratisch aufeinander abgestimmt werden. Zudem moderiert sie bei lokalen Wasserkonflikten, zum Beispiel zwischen sesshaften Bauern und nomadisierenden Viehzüchtern wie in Mali.

Werden Sie jetzt

Wasserpate/in

Trinkwasser rettet Leben.
Ermöglichen Sie jährlich
einer Familie den Zugang zu
sauberem Trinkwasser. 
Zur Wasserpatenschaft